Der Skiflug Klassiker am Kulm Der Skiflug Klassiker am Kulm Der Skiflug Klassiker am Kulm
Thomas Morgenstern 

Der Skiflug Klassiker am Kulm

Nach zwei Jahren Pause geht am kommenden Wochenende in Tauplitz/Bad Mitterndorf wieder ein Flugspektakel über die Bühne. Die Geschichten rund um den Kulm sind reich an Emotionen und spektakulären Zahlen - dramatische Abstürze dokumentieren die Schattenseiten der Weitenjagd. Keiner hat die Extreme der Skiflugschanze intensiver durchlebt als Thomas Morgenstern.

Die Weitenjagd am Kulm wurde 1950 mit einem 103 Meter weiten Flug des Tirolers Rudi Dietrich eingeläutet. 46 Jahre später knackte der wortkarge Finne Janne Ahonen als erster Mensch die 200 Meter-Marke im steirischen Salzkammergut. Weitere zwanzig Jahre darauf fixierte Peter Prevc (SLO) mit 244 Metern den aktuellen Schanzenrekord. Zwischen 1975 und 2016 wurden am Kulm fünf Weltmeister gekrönt, unter ihnen mit ÖSV-Cheftrainer Andreas Felder (1986) und Andreas Goldberger (1996) zwei Österreicher. Die Ehrentafel der Kulm-Sieger umfasst Sportler aus neun Nationen, mit je drei Siegen waren bisher der Slowene Robert Kranjec und Gregor Schlierenzauer am erfolgreichsten.

Aber der Kulm kann auch anders - und zum Schicksalsberg werden. Einer der ihn als solchen bezeichnet, ist Thomas Morgenstern. Der Kärntner Rekordadler, vom Sprungstil her nicht unbedingt ein Flug-Spezialist, gewann 2006 am Kulm mit Bronze seine erste und einzige Einzel-WM-Medaille im Skifliegen. „Ich war mehr der Absprungtyp, habe nach dem Schanzentisch meinen Oberkörper steil angestellt. Dadurch gewann ich zwar über den Vorbau enorm an Höhe, dafür ist mir im letzten Drittel zumeist das Gas ausgegangen. Umso größer war dieser Erfolg damals einzuschätzen“ erinnert sich der dreifache Olympiasieger, „für den das Skifliegen die Königsdisziplin war und bleibt. Du beschleunigst im Flug auf 130km/h, der Luftstand beträgt bis zu acht Meter, du bist im Idealfall 7 bis 8 Sekunden in der Luft, das nur auf zwei Ski, ganz ohne Hilfsmittel - das ist Faszination pur!“
Credits: GEPA pictures
Im selben Atemzug erinnert sich Morgenstern aber auch an seinen dramatischen Absturz, und ergänzt, dass ihn der Kulm nicht nur geprägt, sondern auch verändert hat. Der 22-fache Weltcupsieger erlitt im Jänner 2014 bei seinem Sturz im Training eine schwere Kopfverletzung mit Einblutungen und eine Lungenquetschung. Dank gutem Verlauf kehrte der Kärntner bereits drei Wochen später auf die Schanze zurück und holte im Februar mit dem ÖSV-Team sogar Olympia-Silber. Obwohl wieder vollkommen gesund, beendete der Rekord-Adler noch im selben Jahr seine Karriere.

„Ich habe mir zuvor null Gedanken gemacht, bin immer volle Attacke raus, das hat sich nach dem Unfall sicher geändert“, so Morgenstern, dessen Wiedersehen mit seinem Schicksalsberg nicht getrübt ist. „Nein gar nicht, ich freue mich, wenn ich an den Kulm zurückkehre und hoffe auch diesmal auf eine spannende Weitenjagd. Das Spektakel aus einer anderen Perspektive genießen zu können ist mir mittlerweile viel lieber.“

Die Langstreckenflüge starten am kommenden Freitag und dauern bis 16. Februar an.
Credits: GEPA pictures
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Credits: Matthias Heschl
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